Intralogistik

Andreas Mühlbauer,

Stühle auf Reisen

Für den effizienten und sicheren Transport von Stühlen innerhalb einer Fertigung hat HaRo eine Förderanlage entwickelt und aufgebaut, die alle Kundenwünsche erfüllt.

Eine vollautomatisierte Förderanlage bestehend aus Rollenbahnen, Ketten­förderer und Vertikalförderer transportiert die Stühle aus der Montage in den Versand. © HaRo

Selten waren die Ansprüche an ergonomisches Arbeiten bedeutender und höher als derzeit. Die Pandemie zwingt Arbeitnehmer zum Arbeiten vom heimischen Schreibtisch aus und definiert damit neue Anforderungen an einen ergonomischen Arbeitsplatz. Unabhängig davon, ob die Arbeit von daheim oder vom gewohnten Arbeitsplatz ausgeführt wird, ob im Sitzen oder im Stehen, im Einzelbüro oder in Konferenzen – für Ansprüche dieser Art ist der Möbelhersteller Wilkhahn der richtige Ansprechpartner. Als es vor rund einem Jahr darum ging, den innerbetrieblichen Materialfluss ebenso effizient wie die eigenen Produkte zu gestalten, wandte sich das Unternehmen aus dem niedersächsischen Bad Münder an den sauerländischen Fördertechnik-Hersteller HaRo. Die gefertigten Sitzmöbel sollten vom Ober- ins Erdgeschoss transportiert werden – nach Möglichkeit vollständig automatisiert. HaRo-Konstruktionsleiter Markus Löseke erklärt die Besonderheiten dieses Projektes: „Wir haben bei unserem Kunden Wilkhahn Dutzende unterschiedliche Sitzmöbel im Einsatz, die es über die Fertigungslinie zu transportieren gilt. Vom Barhocker bis zum Drehstuhl hat jedes Möbelstück individuelle Konturen und Drehradien, die für einen zuverlässigen Transport berücksichtigt werden müssen“.

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Ökonomie und Ästhetik vereint

Friedrich Hahne und Christian Wilkening gründeten bereits 1907 in Eimbeckhausen südwestlich von Hannover eine Stuhlfabrik. Aus dem Holz der umliegenden Wälder entstanden zunächst Stühle aus massiver Buche. Ständig neue Ideen, Formen und Werkstoffe ließen das Unternehmen innerhalb der vergangenen Jahrzehnte zum Pionierunternehmen im deutschen Industriedesign wachsen. „Erfolg durch Design“ lautet das Motto des Möbelherstellers. Getreu dem Leitmotiv „Wir müssen mit der Natur bauen – nicht gegen sie“ werden Ästhetik und Ökonomie außerhalb und innerhalb der rund 8.000 Quadratmeter großen Produktionshallen großgeschrieben. Das gilt seit einigen Monaten auch für die Ausstattung im Halleninneren. Bereits im Dezember 2019 wandte sich das Unternehmen mit seiner Anfrage an die HaRo-Gruppe. Aufgrund neu gewonnener Produktionsflächen sollte das vollständige Lagermaterial näher an die Fertigung gebracht werden. Um ein neues Fertigungskonzept umzusetzen, wurde ein entsprechendes Transport- und Verpackungskonzept für den Abtransport der fertigen Stühle in den Versand benötigt. Mit dem Vorhaben galt es gleich drei Ziele miteinander zu verbinden: Die Verpackung diverser Stuhlmodelle sollte an einem Arbeitsplatz durchgeführt werden, die Montage und Reinigung sollte von der Verpackung getrennt und von unterschiedlichen Mitarbeitern durchgeführt werden, und schließlich sollten die fertigen Stühle von verschiedenen Montageplätzen zusammengeführt und über die Bodenöffnung einer Halle zum Versand in das Erdgeschoss einer anderen Halle transportiert werden. Auch bei diesem Vorhaben legte Wilkhahn großen Wert darauf, dass der Energieverbrauch gesenkt und umweltschonende Materialien eingesetzt werden.

Sicherer Transport für jeden Stuhl

Der Rüthener Spezialist für Intralogistiklösungen, HaRo Anlagen- und Fördertechnik, konnte den definierten Anforderungen seines Kunden schließlich mit einem ganzheitlichen Konzept gerecht werden, das eine Kombination aus einem vertikalen Lastenaufzug mit Rollenbahnen und Kettenförderern vorsah. „Einen störungsfreien Transport der Stühle mit ganz unterschiedlichen Spezifikationen konnten wir nach sorgfältiger Prüfung der Radien und Konturen durch einen Ladungsträger ermöglichen“, sagt HaRo-Konstruktionsleiter Markus Löseke. Die Platten mit metallischem Rahmen garantieren – vom Barhocker bis zum Drehstuhl – einen sicheren und zuverlässigen Transport, ohne dass die hochwertigen Sitzmöbel ins Rollen geraten oder aneinanderstoßen.

Ladungsträger ermöglichen trotz unterschiedlicher Radien und Konturen der Fördergüter einen sicheren Transport. © HaRo

Von den verschiedenen Fertigungslinien im Obergeschoss werden die fertig montierten Drehstühle und Vierbeiner zunächst über die angetriebene Rollenbahn in den angrenzenden Vertikalförderer transportiert. Eine zusätzliche Ausstattung der Rollenbahnen mit Drehstationen ermöglicht eine 90-Grad-Drehung der Fördergüter innerhalb des Lastenaufzugs, sodass diese ohne manuellen Eingriff und Unterbrechung ins Erdgeschoss befördert werden können. „Die zwei parallelen Rollenbahnen im Vertikalförderer können bis zu sechs Stühle auf einmal transportieren, um der hohen Taktleistung von 3.200 Stühlen pro Tag an fünf Werktagen in der Woche gerecht zu werden und Leerlauf zu vermeiden“, sagt Löseke. Sind die Stühle im Erdgeschoss angekommen, ermöglichen die Drehstationen an den Rollenbahnen eine vollautomatisierte Übergabe an die angrenzenden Förderbänder. Zusätzlich sind an den Enden der Förderanlage Arbeitsplätze vorgesehen, an denen Mitarbeiter die Stuhlmodelle manuell reinigen und verpacken. Der Möbelhersteller legt großen Wert nicht nur auf die Ergonomie seiner Produkte, sondern auch auf gesunde Arbeitsplätze, sodass die Rollenbahnen bei HaRo in der niedrigsten Bauhöhe gefertigt wurden.

Sicherheit für Mitarbeiter

Mit der Integration von Arbeitsplätzen an der Förderanlage steigen zugleich die Anforderungen des Arbeitsschutzes für die dort tätigen Mitarbeiter. Bei HaRo und bei Wilkhahn wird das Thema Sicherheit großgeschrieben: Schutzzäune und elektrische Schranken schließen ein versehentliches und selbst vorsätzliches Übertreten in den Gefahrenbereich aus. Modernste Brandschutztechnik, bestehend aus Brandschutztoren, Feuer- und Rauchmeldern, die allesamt in der Steuerung der Förderanlage integriert sind, verhindern im Brandfall außerdem ein Übergreifen des Feuers zwischen Ober- und Erdgeschoss. Schnelllauftore verhindern außerdem Zugluft und Wärmeverluste zwischen den Etagen.

Während die Anlage inzwischen bereits seit einem knappen Jahr im Einsatz ist, plant Wilkhahn bereits eine Erweiterung der bestehenden Förderanlage. Schon in seiner Anfrage aus 2019 hatte das Unternehmen die Anforderung gestellt, dass eine Anknüpfung an die bereits installierten Fördereinheiten möglich sein soll. Die HaRo-Komponenten, beispielsweise bestehend aus Vertikalförderer, Rollenbahnen oder Kettenförderer, lassen sich jederzeit flexibel als Baukastensysteme erweitern. „Unsere Anlagen zeichnen sich besonders dadurch aus, dass sie stets mit den Kapazitäten und Bedürfnissen unserer Kunden mitwachsen und sich anpassen können“, betont HaRo-Geschäftsführer Christoph Hackländer. Ein Vorteil, von dem auch Wilkhahn bei seinen aktuellen Erweiterungsplänen profitieren wird.

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