Interview: Werkzeug- und Formenbau

Andreas Mühlbauer,

Das Produkt im Fokus

Wie viele Bereiche in der Industrie, erfährt auch der Werkzeug- und Formenbau eine stetige Entwicklung. Wie diese aussieht, darüber sprach Andreas Mühlbauer mit VDWF-Präsident Prof. Dr.-Ing. Thomas Seul von der Hochschule Schmalkalden.

VDWF-Präsident Prof. Dr.-Ing. Thomas Seul von der Hochschule Schmalkalden. © VDWF

Was sind die aktuellen Trends im Werkzeug- und Formenbau?
In den Branchen, die wir Werkzeugmacher beliefern, erleben wir einen grundlegenden Paradigmenwechsel, wie Produktionswerkzeuge eingesetzt werden. Für uns muss daher das Produkt im Fokus stehen – die Technologie muss folgen. Somit haben die anstehenden Veränderungen beispielsweise in der Fahrzeugtechnik eben auch Einfluss auf unsere zukünftige Arbeitsweise. Den Trends bei E-Mobility und Interieur folgend gehen wir davon aus, dass künftig mehr und komplexere Kunststoffteile in der Fahrzeugtechnik eingesetzt werden. Diese Bauteile, auch die aus Metall, werden sich von den heutigen grundlegend unterscheiden, da sich sowohl der technische als auch gesellschaftliche Blick auf die Fahrzeuge ändern wird: Der Stellenwert beispielsweise von Klimakontrollelementen, E-Motor und Sub-Antriebssystemen oder Battery Packs wird zunehmen. Darüber hinaus arbeiten wir Werkzeugmacher zur Unterstützung der Nachhaltigkeit daran, den energetischen Aufwand in der Produktion von Kunststoff- und Metallteilen zu reduzieren. Im Sinne der sogenannten blauen Ökologie setzen wir also eher auf technische Lösungen als auf Verbote und Verzicht. Diese Strategie geht Hand in Hand mit unserem Bestreben, der Abwanderung von Werkzeugtechnik ins Ausland entgegenzuwirken.

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Wie wichtig sind Präzision und minimale Toleranzen in diesem Umfeld?
Deutsche Werkzeugbaubetriebe zeichnen sich durch die Bereitstellung von Produktionswerkzeugen mit hoher Komplexität und Genauigkeit aus. Neu ist dabei, dass sich diese Qualitätsmerkmale in der jüngeren Vergangenheit nicht ausschließlich auf die maßhaltige Genauigkeit der Werkzeuge beziehen – es geht auch um die darauf aufbauende Prozessfähigkeit und Wiederholgenauigkeit in der Produktion für Bauteile, die mit diesen Werkzeugen hergestellt werden. An diesem Faktor müssen sich Werkzeug- und Formenbau-Unternehmen messen lassen, wenn sie in Zukunft wettbewerbsfähig sein möchten. Das Verständnis für die Herstellung des Produkts ist die Basis dafür, wie die Akteure der Branche funktionieren müssen: Die Leistungen der Werkzeugmacher sind das präziseste Zahnrad im „Produktions-Getriebe“ – und die Unternehmen müssen dabei auch immer das gesamte System beherrschen. Denn nur mit robusten Prozessen gelingt Präzision. Und nur mit robusten Prozessen gelingt es auch, Geld zu verdienen. Unser Ziel ist es daher, durch Forschung und Entwicklung und durch die daraus resultierende Innovationskraft die Technologieführerschaft im globalen Markt zu erhalten. Genau hier unterstützt der VDWF auch die hiesigen, ganz überwiegend kleinen und mittelständisch geprägten Werkzeug- und Formenbau-Unternehmen im Wettbewerb mit der internationalen Konkurrenz, zu der auch Großunternehmen mit mehreren tausend Mitarbeitern gehören.

Welche Rolle spielt der 3D-Druck derzeit und künftig im Werkzeug- und Formenbau und wo stößt das Verfahren in Sachen Toleranzen an seine Grenzen?
Die Additive Fertigung ist im Werkzeug- und Formenbau ein ganz normales Fertigungsverfahren geworden wie beispielsweise das Fräsen oder das Erodieren. Genauigkeiten im Mikrometer-Bereich, Rapid Prototyping und gesinterte Werkzeugeinsätze sind in unserer Branche heute Standard. Der 3D-Druck wird auch zunehmend schneller und günstiger, doch komplexe Werkzeuge und Formen, die hohe Stückzahlen produzieren, werden wir auch in Zukunft nicht ausschließlich per additiver Fertigung bauen können. Dazu sind die Anforderungen zu heterogen. Der Trend geht in die Richtung, dass es immer mehr hybride Verfahren geben wird, um Werkzeuge zu fertigen. Ein Umdenken ist hier aber notwendig, um in Zukunft die Produktion ganzheitlich betrachten zu können.

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